Nils–Christian Plaum

„Güte im Fokus – 5 Fragen an …“

Ein starkes Gütezeichen lebt nicht nur von klaren Kriterien und verlässlichen Prüfungen – sondern vor allem von den Menschen, die Verantwortung dafür übernehmen. In der Gütegemeinschaft Flachglas engagieren sich Persönlichkeiten aus der Branche, die sich mit Fachwissen, Erfahrung und persönlicher Überzeugung für Qualität im Flachglas einsetzen.

Der Vorstand der Gütegemeinschaft gestaltet diese Arbeit aktiv mit: Er begleitet die Weiterentwicklung der Güte- und Prüfbestimmungen, greift aktuelle Branchenthemen auf und steht für den Anspruch, Qualität dauerhaft nachvollziehbar und praxisnah zu sichern.

Mit der neuen Interviewreihe „Güte im Fokus – 5 Fragen an …“ stellen wir diese Persönlichkeiten vor. Zum Auftakt sprechen wir mit Nils-Christian Plaum, Geschäftsführer der Glaszentrum Weber + Wagener GmbH & Co. KG und im erweiterten Vorstand der Gütegemeinschaft Flachglas.

Wer sind Sie und was machen Sie beruflich?

Mein Name ist Nils-Christian Plaum, ich bin 44 Jahre alt und geschäftsführender Gesellschafter bei Glaszentrum Weber+ Wagener. WWGlas ist ein Isolierglashersteller mit zwei Standorten in Deutschland: Freudenberg im Siegerland und Schwalmtal am Niederrhein. Das Unternehmen wurde 1901 gegründet und feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Wir stellen Isolier- und Funktionsgläser für den Fenster-Fassaden und Metallbau her. Bereits seit meiner Kindheit haben mich das Unternehmen und der Werkstoff Glas geprägt. Über verschiedenen Stationen in der Produktion sowie im kaufmännischen Bereich hat mich mein Weg zur heutigen Position geführt. Meine Freizeit verbringe ich mit meiner Familie oder widme mich meinem Hobby, der Musik. Im Vorstand der Gütegemeinschaft Flachglas engagiere ich seit 2013.

Warum engagieren Sie sich im Vorstand der Gütegemeinschaft Flachglas?

Nach dem Motto: „Nicht reden, sondern machen“, finde ich die Mitarbeit in der GGF sehr wichtig. Die aktive Mitgestaltung technischer Rahmenbedingungen für Flachglas ist entscheidend. Dafür ist die Mitarbeit in entsprechenden Gremien und das zugehörige berufliche Netzwerk sehr wichtig. Wir stellen ein Produkt mit einer geplanten Lebensdauer von mehr als 20 Jahren her. Dieses Produkt sollte allen gestellten Anforderungen entsprechen und die versprochene Leistung auch über diese Lebensdauer gewährleisten. Dafür braucht es Richtlinien und Regelwerke, sowie Menschen aus der Praxis, die diese Richtlinien definieren und beurteilen.

Was bedeutet für Sie „Qualität im Flachglas“ konkret?

Der Endverbraucher erwartet von uns als Hersteller ein in seinen physikalischen Eigenschaften, hochtechnisches, aber dennoch transparentes und möglichst unsichtbares Produkt. Hierbei ist es vordergründig nur möglich, die optische Qualität zu bewerten. Die Qualitäten der verwendeten Vorprodukte und deren Verarbeitung können nicht ohne größeren Aufwand beurteilt werden. An dieser Stelle schafft die GGF – durch die im Rahmen der RAL-Zertifizierung anzuwendenden Güte- und Prüfbestimmungen – Rahmenbedingungen sowohl für die Vorprodukte als auch für die Herstellung und Beurteilung des Endproduktes. Qualität ist eine individuelle Wahrnehmung, und jeder setzt in diesem Bereich andere Maßstäbe. Mit Hilfe der durch die GGF aufgestellten Regeln wird eine einheitliche Beurteilungsgrundlage auf Basis eines einheitlichen Produkt- und Qualitätsstandards geschaffen. Kein RAL– zertifiziertes Isolierglas ohne RAL–zertifizierte Komponenten. Dabei ist es wichtig, den Fokus nicht auf das reine Erlangen eines Gütezeichens oder einer Zertifizierung zu legen, die anschließend dann die Produktkennzeichnung oder Geschäftspapiere ziert, sondern den Qualitätsgedanken aktiv zu leben.

Welche Themen bewegen Sie aktuell in Ihrer Arbeit in der GGF?

Digitalisierung und der Einsatz von KI sind sicherlich aktuell sehr wichtige Themen. Die Herausforderung sehe ich in deren Einsatz in einem industriellen Fertigungsumfeld, das in unserer Branche häufig durch Losgröße 1 geprägt ist. Der Einsatz muss daher gut durchdacht sein, ohne die notwendige Flexibilität in der Produktion einzuschränken. Darüber hinaus ist es wichtig, die nationalen Interessen in zunehmend auf europäischen Standards basierenden Normen und Regelwerken weiterhin zu vertreten und durch Präsenz in den entscheidenden Gremien Einfluss zu nehmen. An diesen Stellen wird unsere Branche sicherlich durch die Vertreter von BF und GGF gut repräsentiert. Die dort erarbeiteten Ergebnisse können anschließend durch die entsprechenden Instanzen von BF und GGF reflektiert, kommentiert und auch umgesetzt werden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Branche?

Ich wünsche mir, dass unser Produkt eine größere Wertschätzung bei Kunden und Endverbrauchern erlangt. Der Nutzen von Glas geht weit über den rein öffnungsschließenden Charakter hinaus. Um diesen Nutzen zu transportieren und weiterzuentwickeln, brauchen wir innovative und interessierte Branchenteilnehmer, und ich kann nur ermutigen daran mitzuarbeiten. Dies gilt sowohl für branchenerfahrene Routiniers als auch für Newcomer unserer Branche. Wir stellen ein vielseitiges und spannendes Produkt her, welches in seiner Vielfalt unzählige Kombinationsmöglichkeiten bietet. Das Bewusstsein hierfür – in Kombination mit dem gelebten Qualitätsgedanken – zu schärfen, sollte uns allen zum Ansporn dienen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Plaum.